
Ab November 2011 bieten wir Ihnen in einer losen Reihe die Möglichkeit an, sich mit einem Theaterstück näher auseinander zu setzen. Gerade bei neuen Theaterstücken kann das für das Verständnis hilfreich sein. Deshalb haben wir für einige Stücke eine Einführung durch die Dramaturgie oder Regie der Produktion vor der Vorstellung und ein Gespräch danach organisiert.
Bei dem Gespräch im Anschluss nehmen auch Darstellerinnen und Darsteller teil – eine gute Gelegenheit, von den Personen, die bei der Produktion mitgewirkt haben, Informationen über ihre Arbeit mit dem Text zu erhalten!
Einführung vor und Gespräch nach der Vorstellung sind für Sie kostenlos!
Do., 19.01.12
THEATER IM BAUTURM
> Psychose 2011 - Der Ismene Komplex
Inszenierung: Hiltrud Kissels
Was sind das für Verhältnisse, in denen man nicht vernünftig bleiben kann? Der Ismene-Komplex untersucht die (Ohn-)Macht des Menschen in einer komplexen Welt und forscht nach Formen humanen Handelns. Wofür machen wir uns stark? Sind die Revolten in Maghreb und Nahost ein Modell für sich entladende Empörung, Veränderung, Entwicklung? Die großen Themen - Gesetze der Macht, Radikalisierung /Widerstand, Mäßigung sowie bewusste und unbewusste Anpassung/Passivität - aus dem antiken Drama von Sophokles sowie die Figurenkonstellation um die Antagonisten Kreon, Antigone und Ismene bilden den Hintergrund für unser Erforschungslabor heute.
Unsere westlichen demokratischen Systeme böten eigentlich Möglichkeiten der Teilhabe. Warum fühlen sich viele Menschen, tendenziell sogar immer mehr, dennoch nicht eingebunden in Entscheidungsprozesse? Warum sehen sie nur die Alternative von Eskapismus, Extremismus oder Flucht in Teilnahmslosigkeit und innere Emigration? Besteht die Gefahr der Erosion der Demokratie?
Radikalität und Extremismus oder Mäßigung: Bändigung von Aggression und Zorn? Die Brisanz liegt im Spannungsfeld dieser beiden Pole. Antigone entspricht der Revolutionärin, Dogmatikerin, Terroristin. Ismene, meist nur im Schatten der radikaleren Schwester betrachtet, erscheint dagegen wie ein Prototyp unserer westlichen Gesellschaft.
Muss man töten oder sich umbringen, um Veränderungen zu erreichen? Welche Alternative bietet Ismenes moderates Verhalten angesichts von Vermittlungsprozessen? Kann das die Lösung auch von globalen Konflikten sein oder trägt es zur Verfestigung bestehender Machtmonopole bei? Was ist Demokratie heute? Das sind Fragen, die nicht nur in der politischen Arena oder in Talkshows bearbeitet werden müssen, sondern bewusst auch im Theater, der ältesten politischen Bühne der Menschheit.
19.00h - Einführung durch die Regisseurin Hiltrud Kissel
20.00h - Beginn der Vorstellung
- Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung -
Fr., 10.02.12
STUDIOBÜHNE
> Die Eumeniden/Aischylos
Eine Produktion des Deutsch-Griechischen Theaters
Inszenierung: Kostas Papakostopoulos
"Gerechte Richter sind wir", schreien die Erinyen, die Rachegöttinnen, bei der Verfolgung Orests. Dieser hat seine Mutter Klytaimestra ermordet, Mörderin ihres Gatten, seines Vaters Agamemnon. Nun soll Orest Blut mit Blut bezahlen. Seine Flucht bringt ihn nach Athen. Dort setzt die Göttin Athene ein Gericht aus Bürgern der Stadt ein, das über die Schuld des Flüchtlings entscheiden soll, und begründet so den Rechtsstaat. Die Blutrache wird durch Urteile der Vernunft, das gottgegebene durch ein bürgerliches Recht ersetzt, und aus den entmachteten Erinyen werden Eumeniden. Orest wird freigesprochen. Sein Gewissen ist von den Erinyen, der vorgegebenen Moral, befreit. Doch wie geht er mit einer solchen Freiheit um? Das Ensemble des DGT gräbt bei Aischylos nach den Fundamenten des modernen Bürgers, auf der Suche nach der Geschichte seiner Emanzipation.
Das Deutsch-Griechische Theater ist 1990 von dem Regisseur Kostas Papakostopoulos gegründet worden. Der frühere Mitarbeiter von Dimiter Gotscheff im Schauspielhaus Köln und Frank Castorf an der Volksbühne Berlin hat die zunächst deutsch-griechische Theatergruppe in den darauf folgenden Jahren zu einer multinationalen Künstlerinitiative ausgebaut. Heute gehört das DGT zu den beständigsten und bekanntesten Gruppen der Kölner Theaterszene.
19.00h - Einführung durch den Regisseur Kostas Papakodstopoulos
20.00h - Beginn der Vorstellung
- Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung -
Weitere Stücke, mit denen wir uns in dieser Spielzeit genauer beschäftigen:
Do., 03.05.12
FREIES WERKSTATT THEATER
> Orlando/nach Virginia Wolf
Es spielt: Barbara Kratz
Sie können Karten bestellen unter
Telefon: 0221/ 95 29 910
E-Mail: service@volksbuehne.de